Erbrütung von Hucheneiern im Besatzgewässer

von Dr. Erik Bohl


Das Huchenei benötigt bei einer Wassertemperatur von 8°C bis 10°C etwa zwischen 21 und 28Tage von der Befruchtung bis zum Schlupf. Anschließend dauert es noch über 2 Wochen, bis der Dottersack aufgezehrt und die Larve schwimm-und fressfähig ist. In dieser langen Zeit bedrohen Fressfeinde, Sauerstoffprobleme im Kieslückensystem und zahlreiche weitere Gefahren die Entwicklung der Eier. Im Lech kommt noch dazu, dass geeignete Laichplätze wegen der Verschlammung und des Defizitsan frischem Kies-Geschiebe sowie durch die Unterbrechung der Wandermöglichkeit für die Elternfische immer seltener zu erreichen sind. Da ist es in der Fischzucht freilich sicherer, aber hier haben Ei und Larve keine Möglichkeit, sich an das künftige Lebensgewässer anzupassen.

Um dieses Dilemma zu mindern, wurden verschiedene Typen von Brutboxen erfunden, die einen Teil der Ei-und Larvenentwicklung unter geschützten Bedingungen direkt im Besatzgewässer ermöglichen. Ein erfolgreiches Prinzip bietet die W-V-Box, benannt nach ihren Erfindern, den Herren Whitlock und Vibert. Die Box funktioniert durch die verschieden großen Perforationen, die auf die unterschiedlichen Durchmesser von Ei, Dottersacklarve und schwimmfähiger Larve abgestimmt sind. Die Eier werden zunächst in den oberen Raum der Box verbracht, wo sie gut geschützt und mit Frischwasser versorgt liegen. Beim Schlupf verringert sich ihre Größe, so dass sie durch die genau bemessenen Lücken im Boden in den unteren Raum gelangen. Dieser hat im unteren Bereich so enge Poren, dass die Dottersackbrut ihn erst verlassen kann, wenn der Dottersack aufgezehrt ist und die Larven schwimmend die etwas höheren Schlitze erreichen, durch welche sie die Box verlassen und sich im umliegenden Kiesboden verstecken können.

Wenn das Ei in der Fischzucht nach etwa 20 Tagen das „Augenpunktstadium“ erreicht hat, ist der Embryo schon weitentwickelt, das Ei ist einigermaßen robust gegen Erschütterungen und kann transportiert werden.

Etwa 1.500 solcher Augenpunkt-Eier konnten wir am 20. April aus Wielenbach übernehmen und in das vorbereitete Besatzgewässer bringen. Als solches hatten wir einen kleinen Nebenbach der Lechstaustufe 11 ausgesucht, der auf Privatgrund geschützt ist und bei ca. 8°C bis 10°Cgünstige Wasserqualität und damit geeignete Bedingungen bietet („Schelkle River“). Insgesamt 8 W-V-Boxen wurden mit den Hucheneiern bestückt und verteilt auf zwei Einkaufskörbe vorsichtig im Bachboden mit ausgesuchtem Kies eingeschottert. Wichtig ist dabei, in der Box eine genau bemessene moderate Strömung einzustellen, welche die Frischwasserzufuhr garantiert ohne die Eier umher zu wirbeln.

Bohl kontrollierte regelmäßig die Entwicklung der Eier und konnte bereits nach gut einer Woche die ersten Schlupfe feststellen. Die Dottersack-Larven sammelten sich allmählich im unteren Teil der Boxen. Nach etwa 2 weiteren Wochen hatte der größte Teil den Larven bereits die Schwimmfähigkeit erreicht und die Boxen in Richtung Lech verlassen können. Anhand der zurück gebliebenen Eier und abgestorbenen Larven kann das erfreuliche Ergebnis der erfolgreichen Entwicklung bis zur Schwimmfähigkeit von etwa ¾ der eingebrachten Eier abgeschätzt werden.

Es bleibt zu hoffen, dass ein guter Teil der kleinen Fische durchkommt und auf ihrem weiteren Lebensweg im Lech gedeiht und erfolgreich zu eindrucksvollen Donaulachsen heranwachsen kann.

Dr. Erik Boh

 

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