Schongauer Fischereiverein renaturiert Laichstelle im Lech

von Dr. Erik Bohl


Der Kiesboden eines Flusses ist ein ganz wichtiges Element seiner ökologischen Funktionen.
Im durchspülten Lückensystem finden zahlreiche Kleintiere ihren Lebensraum und hier
entwickeln sich der Laich und die Larven typischer Flussfischarten wie Forelle, Äsche, Barbe,
Nase und Mühlkoppe.
Durch Ausbau und Nutzung unserer Flüsse ist dieser Teillebensraum massiv bedroht. Der
Aufstau der Kraftwerke bewirkt eine verstärkte Sedimentation und den Verschluss des
Lückensystems, der Boden verschlammt. Der Nachschub von frischem Kies aus dem Gebirge
wird durch die Stauwehre unterbrochen. Die künstliche Steuerung des Abflusses verhindert
die Umlagerung und Reinigung der Kiesbänke durch natürliche Hochwasser. Die Folgen
davon sind der weitgehende Verlust der Bodentierfauna und das Ausbleiben der natürlichen
Fortpflanzung der kieslaichenden Fischarten. Das betrifft auch die Lechstaustufe 11 bei
Epfach, die der Kreisfischereiverein Schongau e. V. (KFV) seit vielen Jahrzehnten
bewirtschaftet.
Um hier wenigstens kleinräumig und zeitweise eine Abhilfe zu schaffen, hat der KFV am 23.
September in einer Aktion eine angeschwemmte, mit Sediment verbackene Fläche in der
unteren Fließstrecke der Staustufe als Laichgrund renaturiert. Die Stelle wurde ausgewählt,
weil sie geeignete Tiefen- und Strömungsbedingungen aufweist und vom Ufer aus mit dem
Bagger erreicht und befahren werden kann. Ein moderner Kettenbagger brach im Fluss auf
einer Fläche von ca. ½ ha den verkrusteten Boden bis in eine Tiefe von ca. 1 m auf, spülte den
Kies in der Strömung und lagerte ihn ab. Die Strömung wurde so gelenkt, dass die
ausgespülten Feinsedimente in der abwärts gelegenen Vegetationszone ausgekämmt wurden
und den Stausee nicht belasteten.
Das Resultat der etwa sechsstündigen Aktion war eine weite Fläche gelockerten und
gespülten Kiesbodens mit strukturreichen Mulden und Rinnen, die mit Wassertiefen von ca.
20 bis 80 cm überströmt wird. Das sind geeignete Laichbedingungen für Forelle & Co,
vielleicht sogar für den Huchen. Es wird nun von den Fischern weiter beobachtet, wie die
Fische die Fläche annehmen und wie lange sich die Beschaffenheit des Kiesmaterials erhält.
Natürlich erforderte die Maßnahme im Landschaftsschutzgebiet gründliche Vorbereitungen
und behördliche Genehmigungen, die aber zügig erteilt wurden. Überaus hilfreich war auch
die Unterstützung der Uferanlieger sowie des Kraftwerksbetreibers UNIPER, dessen
Schaltzentrale während der Arbeiten für einen günstigen Pegelstand des Lechs sorgte.

Der KFV unternimmt bereits seit mehreren Jahren auch im Oberlauf der Staustufe in
kleinerem Umfang die Regenerierung von Laichplätzen mit einem klassischen Pflug, der im
Waten geführt und von einer Seilwinde am Ufer gezogen den verhärteten Flussboden
auflockert.

 

 

Der moderne Bagger erfüllt alle Umweltsicherungen

 


Die verhärtete Kiesfläche im Fluss wird aufgebrochen

 


Der verschlammte Kies wird gereinigt und umgelagert

 


Der neu entstandene Laichgrund mit frei gespültem Lückensystem

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