Sieben Jahre Lechpflug
von Dr. Erik Bohl

Das Geschiebe im Lech wird durch die Stauhaltungen im Fluss nicht mehr transportiert und nicht mehr ausreichend von den Hochwassern umgelagert. Es versandet und verbackt mit dem Feinsediment. Kolmatierung nennt man diesen Prozess, bei dem das für Kleintiere und Fischlaich unverzichtbare Lückensystem im Gewässerboden verstopft und zur sauerstofffreien Todeszone wird. Es gibt Berichte, dass Feuerwehren solche Kiesflächen mit dem Druckschlauch aufwändig und mühsam freigespült haben.
Wenn aber der Ackerboden verkrustet und verfestigt ist, dann greift der wackere Landmann zum Pflug und lockert ihn auf. „Warum sollte das beim Lech anders sein?“, fragte sich unser Mitglied Armin Schelkle aus Epfach und das ging dem engagierten Fischer und ausgebildeten Landwirt nicht aus dem Kopf, bis er kurzerhand mit einem alten Kartoffelpflug, Stahlseil und einer kräftigen Seilwinde am Traktor zur Tat schreiten wollte. Aber so einfach geht das natürlich nicht, schließlich gibt es bei uns wasserrechtliche Vorschriften und Behörden, die deren Einhaltung überwachen. Also musste erst das Einverständnis des Wasserrechtsinhabers UNIPER und des Wasserwirtschaftsamtes eingeholt und mit ausführlicher fachlicher Begründung beim Landratsamt die Genehmigung eingeholt werden. Die Erlaubnis wurde erteilt, allerdings nur einmalig und mit einer Liste strenger Auflagen zur Absicherung gegen alle möglichen Umweltschäden durch Fahrzeugeinsatz, Hydrauliköl, Dieselreste und und und.
Das war im Jahr 2017.
Motivierte Helfer fand der Armin in den Fischerkameraden Norbert Weber und Roland Meindl, und so konnte an ausgesuchten Stellen der Fließstrecke an der Lechstaustufe 11 der Piloteinsatz beginnen. Fest am Ufer stand der stabile Schlepper mit der Winde, von der über eine Umlenkrolle das Stahlseil mit dem von zwei Mann geführten Pflug Furche um Furche über den verbackenen Kiesboden im Lech gezogen wurde, bis zu 30 cm tief. Aus dem umgebrochenen Boden spülte die Strömung das Feingeschwebe aus, so dass frisch gewaschener, lockerer Kies mit einem gut durchspülten Lückensystem zurückblieb. Schnell war eine Bodenfläche von fast 100 m2 bearbeitet und die ganze Prozedur konnte an weiteren Stellen wieder-holt werden.
Entsprechend der Auflagen wurde für das Landratsamt Landsberg ein Bericht verfasst mit dem begründeten Vorschlag, diese Aktion bei einer Wiederholung nicht als genehmigungs-pflichtigen wasserrechtlichen Eingriff zu behandeln, sondern als geringfügige ökologische Pflegemaßnahme. Offenbar konnten wir die Fachstelle im Landratsamt überzeugen, denn wohlwollend wurden wir gebeten, künftig anstatt einen Bewilligungsantrag zu stellen die Pflügeaktionen dem Amt vorher lediglich mitzuteilen.
Seither bearbeitet das eingeschworene Team mindestens einmal jedes Jahr auf die bewährte Weise einige Stellen im Lech, meist im Herbst kurz vor der Laichzeit der Bachforelle. Zur großen Freude können fast immer bereits wenige Stunden nach der Bearbeitung erste interessierte Fische auf den frisch regenerierten Laichplätzen beobachtet werden, teils schon mit beginnendem Laichverhalten: Bachforellen, Barben, Nerflinge, aber auch Nasen und gelegentlich eine Äsche.
Durch eigene stichprobenartige Elektrobefischungen sowie Untersuchungen des LfU ist seit-her ein deutlich zunehmendes Aufkommen von Jungfischen der kieslaichenden Arten im Um-griff der gepflügten Stellen zu verzeichnen.
Der Erfahrungsaustausch mit benachbarten Fischereivereinen hat dazu geführt, dass auch diese sich an anderen Staustufen am Lech erfolgreich mit der Regeneration von Laichplätzen mit ähnlichen Methoden befassen.
Im Zusammenwirken mit dem Einbringen neuer Kiesbänke sowie der Erbrütung von Laich von Bachforelle und Huchen direkt im Gewässer können wir damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der gewässertypischen Fischarten im Lech leisten.
Dr. Erik Bohl